Karelien ist ein zauberhaftes Land, wo die sehnlichsten Wünsche in Erfüllung gehen und wo ungelöste Rätsel in der Luft schweben.
Vielen Orten Kareliens werden überirdische Kräfte zugesprochen.
Der Fels Sampo
Laut Überlieferung ist der Fels ein Kraftort, an dem Wünsche erfüllt werden, wenn man alles richtig macht. Dafür soll man auf dem Felsen den Wunschbaum finden – eine sehr alte Tanne und ein kleines Stück Stoff von der eigenen Kleidung darauf hängen. Dabei soll man natürlich an den sehnlichsten Wunsch denken.
Im Epos Kalewala stellt Sampo eine Zaubermühle dar, die Mehr, Salz und auch Gold in unbegrenzten Mengen mahlen kann, dadurch bekam ihr Besitzer Reichtum und Wohlergehen. Ein wahres Füllhorn! Die Decke der Mühle symbolisiert das Gewölbe. Es dreht sich um die Zentralachse, die wiederum eine Stütze symbolisiert, die die ganze Schöpfung hält.
Die Zaubermühle wurde gestohlen. Die drei Haupthelden des Epos – Väinjamöjnen, Ilmarinen und Leminkjäinen – stehlen die Mühle aus dem Land Pohjela und versuchen, sie mit dem Boot ins eigene Land zurückzubringen. Die böse Hexe, die alte Louhi, verfolgt die Helden und ein Kampf um die Zaubermühle bricht aus. Als Folge draus zerbricht die Mühle und die tausenden Scherben verstreuen sich in der ganzen Welt. Die meisten versinken im Meer. Dadurch erklärt sich, warum das Meer in der karelisch-finnischen Mythologie reicher als die Erde ist.
Einige Scherben wurden aber zum Festland gebracht und der weise Väinjamöjnen begrub sie in karelischer Erde.
Die Decke der Mühle ist leider verloren gegangen, was den Tod des Weltenbaums verursachte.
Die Insel Radkolje
Der Name Radkolje kommt von raato und kallio (Finnisch), was Stein eines toten Tieres bedeuten kann.
Vor der Revolution 1917 wurde hier Radkolskoe Voskresenje – Sonntag – gefeiert, der mit dem Tag der sommerlichen Sonnenwende zusammenfiel. Viele Menschen kamen an diesem Tag mit Booten von den Nachbarinseln hierher. Es wurde gesungen und getanzt. Am späten Abend versuchten die Jugendlichen den Radkolski Idol – ein Art Totemstein – von seinem Podest hinunterzuwerfen.
Das Idol steht übrigens immer noch – ein zwei Meter hoher Fels. Bei guter Vorstellungskraft kann man im Felsen eine gewisse Menschenähnlichkeit erkennen, ein Gesicht. In der Nähe steht noch ein Fels, der einem Kopf mit dem Bart ähnelt. Vor diesem zweiten Felsen hatte man früher Angst. Man glaubte, der Fels kann einen krank machen oder Unheil schicken.
Viele Ethnologen halten die Insel Radkolje für eines der alten heiligen heidnischen Zentren, deren Geschichte in vorchristlichen Zeiten wurzelt.
Einigen schriftlichen Überlieferungen zufolge stand hier früher ein Wäldchen, das die samischen Götter besiedelten. Der Wald hatte das gleiche Schicksal wie viele andere heidnische Objekte – es wurde von den Orthodoxen vernichtet. Die Bäume wurden abgeholzt und für den Bau des Klimenetski Klosters (1637) verwendet.
Kusowetskie Insel
Die Inselgruppe Kusowa besteht aus 16 unbesiedelten Inseln. Der Name Kusowa stammt vom finnischen Wort kuusen, was Tannenbaum bedeutet.
Es ist einer der geheimnisvollsten Orte im Norden Kareliens. Eben hier wurden viele Zeugnisse gefunden, die auf religiöse Aktivitäten der frühen Menschen Rückschlüsse zulassen. Die Historiker meinen, alle steinernen Objekte – etwa 800 sind es – wurden vor 2,5 – 2 Jahrtausenden von den Samen geschaffen. Damals konnten die Menschen die Inseln nur mit dem Boot oder zu Fuß, wenn das Meer gefroren, war erreichen. Es gibt keine Spuren von Siedlungen, nur eine große Menge Findlinge, denen sakrale Bedeutung zugeschrieben wird– Sejdy – als auch Steinkonstruktionen. Die Kusowa Inseln waren ein sakraler Ort, hier wurde nicht gelebt.
Auf der größten Insel, Russki Kusow, befindet sich ein beeindruckendes Heiligtum, in dessen Mitte ein großer Granit steht. Man vermutet, dass dieser Stein eines der übernatürlichen Wesen der alten Samen symbolisiert. Jäger und Fischer legten hier ihre Opfergaben ab. In der Nähe des Steins wurden ein paar Grabmale gefunden, die im Inneren mit Steinen ausgekleidet sind. Ein weiteres Heiligtum befindet sich auf der Bolschoi Nemetski Kusow – ein Pantheon für die Götter der Samen. An dieser Stelle hielten Schamanen heidnische Kulte ab.
Außergewöhnlich ist die Insel Oleschin, die ebenfalls zur Kusowa-Gruppe gehört.
Hier findet man nicht nur Sejdy und Heiligtümer, sondern auch zwei Labyrinthe, ein großes und ein kleineres. Mehr als 1000 große Steine wurden für die Errichtung der 2 Labyrinthe, deren gesamte Länge ca. 190 Meter beträgt, verwendet. Bisherige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Labyrinthe ein Ort zur Einweihung waren. Durch sie konnten sich die Schamanen mit den höheren Mächten in Kontakt bringen.