Felszeichnungen am Ostufer des Onega Sees und am Weißen Meer

Die Petroglyphen sind einer der ältesten Beweise dafür, dass das Gebiet Kareliens schon seit langem bewohnt ist. Das Leben damals, vor 7 – 6 Tausend Jahren war alles andere als leicht – es war ein Kampf ums Überleben und so zeigen die meisten Zeichnungen die Episoden der Jagd oder des Fischfangs. Es gibt zwei Orte in Karelien, an denen man Petroglyphen bestaunen kann – am Ostufer des Onega Sees und am Weißen Meer.

Die Petroglyphen am Onega See, Die Besov Nos

Dank der guten geographischen Lage wurde früher das Kap Besov Nos als Orientierungspunkt genutzt. Davon zeugt ein 16 Meter hoher Holzleuchtturm. Heute benutzt diesen Leuchtturm niemand mehr. Er steht ganz in der Nähe eines verlassenen Dorfes. Viele Wissenschaftler aus Russland und Skandinavien kommen jährlich hierher, um das Gebiet zu erforschen. Schon über 50 Lagerplätze der Urmenschen wurden in der Umgebung gefunden, die man auf ein Alter von 5 – 6 Tausend Jahren schätzt. Praktisch alle Forscher sind sich einig – das Kap Besov Nos war früher ein großes heidnisches Heiligtum, an dem die Vorfahren der heutigen Finnen und Karelen ihre Sakramente vollführten.

 

Es gibt hier über 500 Felszeichnungen. Die gesamte Anlage belegt den 5. Platz unter den Denkmälern der Felskunst in Nordeuropa. Witterung und der Einfluss des Menschen selbst bedingen, dass heute viele Bilder nur schwer zu erkennen sind. Die drei größten Zeichnungen, deren Länge ca. 2,5 Meter beträgt, sind jedoch ganz gut zu identifizieren. Das sind die Abbildungen einer Eidechse, eines Fisches (vermutlich einem Wels) und eines Bes (buchstäblich übersetzt Kobold). Die zwei ersten Figuren sind eigentlich nur durch ihre Größe bemerkenswert, der Bes ist anderes. Ihm zur Ehre wurde das Kap so genannt – die Besov Nos, was so viel wie Besovs Nase bedeutet. Vor vielen Jahren gaben Mönche aus dem Muromski Kloster dem Kap diesen Namen. Das Kloster liegt 25 km vom Kap entfernt. Warum man sich für diesen entschieden hat, bleibt unklar. Die Kobold-Darstellung zeigt ein Menschenwesen, mit einem knolligen Körper und einem quadratförmigen Kopf. Beide Hände haben fünf Finger, genau wie eine Menschenhand. Die Beine sind sehr dünn und unverhältnismäßig klein. Der Hals ist ebenfalls dünn aber sehr lang. Im Gesicht sieht man ganz deutlich Mund und Nasen sowie asymmetrische Augen. Ein Auge ist ein großer Fleck, das andere ein kleiner Kreis mit Pünktchen in der Mitte. Ein tiefer Riss geht durch den ganzen Körper des Bes. Die meisten Forscher sind sicher, dass man die Felszeichnung um diesen Riss geritzt hat. Das heißt, erst kam der Riss, danach das Bild. Es wird vermutet, dass der Riss das wichtigste heilige Element war. Durch ihn floss das Blut der Opfertiere in den Felsen hinein wie eine Art Nahrung.

 

Am linken Arm des Bes sieht man ein orthodoxes Kreuz, ebenfalls in den Felsen geritzt. Die meisten Wissenschaftler vermuten, die Mönche vom Muromski Kloster dahinter. Sie gaben dem Bes das Kreuz, als Zeichen des Sieges des orthodoxen Glaubens über das Heidentum. Umgekehrt bestätigt dieses Kreuz die Theorie, dass dieser Ort ein heidnisches Heiligtum gewesen ist. Warum sonst sollten sich die Mönche so viel Mühe mit einer Felszeichnung machen und diese mit einem Kreuz beschenken?

Die Petroglyphen am Weißen Meer

Nicht weit von der Stadt Belomorsk gibt es einen Ort, an dem man Felszeichnungen besichtigen kann – Zalawruga. Dieser Ort ist viel größer als das Kap Besov Nos. Es handelt sich um ein großes Felsplateau, das umgeben von einem Damm, einer Straße, dem Ufer des Flusses Zalawruga und Felsen ist. Die Petroglyphen unterteilen sich in 29 Gruppen. Zu den Hauptgravuren der prähistorischen Kunst-Galerie führen Gehwege aus Holz. Viele Forscher sind sich einig, dass am Flussufer ein altes Wirtschafts- und Kulturzentrum gelegen war. Zu diesem gehörte auch ein großes heidnisches Heiligtum. Die Stammesführer aus der ganzen Umgebung kamen hierher um mit den Göttern zu reden.

 

Die meisten Zeichnungen stellen das Leben von damals dar: Die Jagd auf einen Rentier, ein Fischer, ein Skifahrer, ein tanzender Schamane und sogar Kriege. Auch Vögel und Tiere sind hier zu sehen. Ein Bild zieht besondere Aufmerksamkeit auf sich – ein tanzender Mensch oder ein tanzender Schamane. Es ist das einzige Bild, auf dem eine Figur von der Vorderseite gezeigt wird. Man vermutet, dass das ein Geistlicher ist. Zalawruga gehört auch zu einem der Kraftorte Kareliens: Die Einheimischen behaupten, ihre GPS Geräte streiken hier, der Ort wird immer wieder falsch bezeichnet oder es gibt gar keinen Empfang.