Die Kalewala ist das bekannte karelisch-finnische Epos, dessen Wurzeln tief in den vergangenen Jahrhunderten liegen. Elias Lönnrot (1802 – 1884), der finnische Schriftsteller, Philologe und Arzt widmete dem Epos sein Leben. Mehr als nur einmal bereiste er Karelien, um hunderte von einzelnen epischen Runen (Gesangliedern) zusammenzufassen. Mitte des XIX Jahrhunderts wurde die Kalewala fertig und ist mittlerweile in viele Sprachen übersetzt. Viele Dichter waren von dem Epos so inspiriert, dass sie nach dem Vorbild eigene Werke schrieben. Unter ihnen H.W. Longfellow und sein „Song of Hiawatha“ und J.R.R. Tolkien, „The Lord of the rings”.
Der Sieg des Guten über das Böse, schöpferische Arbeit, Naturkräfte – das sind die Hauptthemen des poetischen Epos. Auf jeder Seite spürt man Magie und Beschwörungen, die das ganz alltägliche Leben der alten Karelen begleitet haben.
Beim Lesen wird klar, dass die beschriebenen Ereignisse in Urzeiten stattfanden. Damals war:
– das Klima im Norden viel wärmer;
– es herrschte Matriarchat – alle Hauptgötter sind feminin: Ilmatar, die Göttin der Luft; Wellamo, die Göttin des Wassers; Mana, die Göttin der Unterwelt;
– Schmuck wurde aus Zink hergestellt, da man von Bronze noch nichts wusste;
– Eisen kannten nur wenige Menschen und so glich der Schmied einem Zauber.
Das Epos Kalewala erzählt über Ilmarinen, den Schmied, den Schöpfer der Zaubermühle Sampo; über Heldentaten des tapferen Lemminkäinen; über die Entführerin der Sonne, der bösen Hexe Louhi und deren Besieger – den weisen Wäinämöinen.
Wäinämöinen ist der Hauptheld. Er ist ein Liedersänger und Zauberer, der durch das Singen und die Magie ein Boot und auch das Musikinstrument – die Kantele – meistern kann. Er erschafft einen Weltenbaum, auf der ganzen Welt das Symbol des Wohlergehens; sammelt Wissen und Erfahrung in anderen Welten und bestellt das erste Feld auf der Erde.
Im Zentrum des Epos steht die Erschaffung und Zerstörung der Zaubermühle Sampo, für die der Schmied Ilmarinen verantwortlich ist. Um die Eroberung der Mühle wird schwer gekämpft: Bei ihrer Zerstörung verteilen sich die Scherben über die ganze Welt …
Zauber …Die Kalewala macht uns bewusst, dass vieles auf der Welt auf Magie, Beschwörungen und eben Zauber beruht: Z.B. die Schöpfung der Erde, die Entstehung des Eisens, die Heilung von Krankheiten, Jagdglück …
Große Wirkung hat die Kalewala in Finnland und Karelien auf die Entwicklung von Kultur, Literatur und Musik. Es wird sogar behauptet, dass Finnland dank dem Epos zu einer selbstständigen Nation geworden sei, da nach der ersten Veröffentlichung die Finnen auf der ganzen Welt bekannt wurden.