Tag 1
Ankunft mit dem Zug nach Kem´. Fahrt mit dem Schiff auf die Solowetski Insel, wo die nächsten 2 Tage verbracht werden. Die Führung durch das Solowetski Kloster mit seiner wechselvollen und zum Teil sehr traurigen Geschichte. Es ist eines des bekanntesten Klöster Russlands. Gegründet wurde es im XV. Jahrhundert, in einer Zeit als die Inseln im Weißen Meer praktisch unerreichbar waren. Das Kloster war nicht immer nur Zentrum des orthodoxen Glaubens. Einst diente es als Hochburg der Altgläubigen. Es war eine Festung während des Kriegs mit den Schweden, Verbannungsstätte und auch grausamer Lagerkomplex, in dem, während der brutalen GULAG Epoche, Tausende Menschen ums Leben kamen. Nach 1990 kehrten die Mönche an ihre alte Wirkungsstätte zurück. Übernachtung in einem Hotel auf der Insel Solowki.
Tag 2
Wanderung und Führung zum Berg Sekirnaja. Dieser Berg ist ebenfalls mit der traurigen Geschichte verbunden, als Solowki ein Straflager und damit das Symbol des Roten Terrors der Sowjetunion war. Der Sekirnaja Berg ist eine der größten Anhöhen der ganzen Inselgruppe. Auf dem Gipfel steht die Swjato Wosnesenski Abtei, die im XIX. Jahrhundert gegründet wurde. Von der Nordseite des Berges führt eine steile Treppe hinauf (294 Stufen), von der Südseite ein Weg. Während der Sowjetzeit befand sich in dieser Abtei eine Isolaltionszelle. Am Fuße der Treppe zur Anhöhe erinnern ein Steinkreis und ein 7 m hohes Kreuz an die Menschen, die hier ihr Leben lassen mussten. Die Mönche sagen, dass die Seelen der Ermordeten den Ort geheiligt haben. Schrecken und Schönheit liegen dicht beieinander. Auf dem Weg zum Berg ist einer der nördlichsten botanischen Gärten der Welt zu entdecken. Nach dem Mittagessen Besuch des GULAG-Museums. 19:00 Abfahrt nach Kem´. Übernachtung im Gasthaus in Kem´.
Tag 3
Abfahrt nach Kalewala. Am Nachmittag erreichen wir unsere Unterkunft, ein Hotel. Wir bestaunen den weltgrößten Traumfänger, der von einer Schamanin hergestellt wurde – der Traumfänger wurde sogar ins Guinness Buch der Rekorde eingetragen – und nach dem Mittagessen besteht die Möglichkeit, mit reizenden Weltmeisterinnen das dreihundertjährige karelische Spiel „Kyykja“ zu spielen.
Tag 4
Nach dem Frühstück machen wir eine Führung durch die Heimat des finnisch-karelischen Epos „Kalewala“. Wir lernen vieles zur Geschichte und den alten karelischen Bräuchen und Traditionen. In Kalewala befindet sich das ethnografische „Museum der Runensänger“. Hier hatte um 1835 der finnische Schriftsteller, Philologe und Arzt Elias Lönnrot auf seinen Reisen durch Karelien die bis dahin nur mündlich überlieferte finnische Volksdichtung aufgeschrieben, auf deren Grundlage er das Nationalepos Kalewala (1835; endgültige Fassung 1849) und die Liedersammlung Kanteletar (1840) verfasste. Damit legte er den Grundstein für die Entwicklung einer finnischen Identität. Wir schauen uns den Platz mit einer alten Kiefer an, unter der Ellias Lönnrot die meisten seiner Liederaufzeichnungen (Runen) schrieb. Nach dem Mittagessen fahren wir zu der Farm Kormilo, die sich direkt an einem See befindet. Hier lebt eine bemerkenswerte Familie , Olga und Viktor und deren zwei Söhne. Olga ist unsere freundliche Gastgeberin. Sie wird uns für die nächsten drei Nächte mit ihren kulinarischen Künsten so richtig verwöhnen! Wir lernen auch die anderen herzerfrischenden Bewohner der Farm kennen: Tinker-Pferde, Samojedj-Schlittenhunde, mehrere Schafe und Fasane. Außerdem gibt es hier ein wunderbares Museum: „Das Museum der Samoware”, mit über 250 Samowaren und Federwaagen, die im In- und Ausland gesammelt wurden. Viele der Samoware haben eine außergewöhnliche Geschichte. Wenn wir Glück haben, werden wir vom hiesigen Gesang- und Tanzensemble „Kataja“ herzlich begrüßt. Es besteht die Möglichkeit, am Abend die Banja (russische Sauna) zu benutzen. Übernachtung im Gasthaus.
Tag 5
Nach dem Frühstück machen wir eine Wanderung durch den Wald zu dem regionalen Naturdenkmal, dem Wasserfall Kumi, dessen Höhe 15 Meter beträgt. Schon von weitem wird er uns durch seinen Rauschen begrüßen! Übernachtung wie am Vortag.
Tag 6
Heute haben Sie endlich Freizeit, um den Tag nach ihren Wünschen zu gestalten. Nach dem Frühstück können sie einen sehr alten karelischen Friedhof in der Nähe der Farm besuchen und einiges über die Rituale des Abschieds bei den Karelen erfahren, oder sie erkunden die Umgebungen oder sie nehmen ein Boot, um entweder zu Angeln oder zur Kapelle auf der kleinen Insel zu fahren. Ja, man kann auch einfach relaxen und nördliche Stille genießen! Übernachtung wie Vortag.
Tag 7
Heute geht es nach Kostomukscha. Dem interessanten und beeindruckenden Gebiet widmen wir zwei Tage. Nach der Ankunft schauen wir uns das Besucherzentrum des Naturschutzgebiets Kostomukschskij an. Die jüngste Stadt Kareliens, die beim Bau eines Eisenerz-Bergbaubetriebes 1977 entstand, ist keine typische russische Stadt, denn sie wurde nach einem finnischen Bauplan errichtet, meistens von den Finnen selbst. Wir werden heute eine kleine 11 Kilometer kurze Wanderung auf einem alten Händlerweg unternehmen. Das ist eine über 200 Jahre alte Handelsstraße, die früher die Dörfer und Farmen am Nordteil des Sees Kamennoe mit den finnischen Siedlungen verband. Mit diesem Weg hatte man früher die Möglichkeit sich gegenseitig zu besuchen und mit eigenen Waren zu handeln.
Zu diesem alten Händlerweg soll stichwortartig Einiges schon verraten werden:
Der Pfad: In der Regel verliefen die Pfade durch oder entlang trockener Orte. Mit einem Korb auf dem Rücken (Korob auf Russisch, daraus Korobejnik, der Händler) legten die Händler oft viele hundert Kilometer in nur einer Richtung zurück. Was hatten sie damals um sich herum gesehen? War es eine leichte Arbeit, Händler zu sein?
Der Fluss: Auf ihren Handelswegen stoßen die Korobejniki auf sehr viele Flüsse, die einerseits ein Hindernis beim Vorankommen, andererseits eine Art Erholungsort waren – am Ufer eines Flusses konnte man ein Feuer machen, fischen, etc. Der Sumpf: Wenn ein Weg durch einen Sumpf ging, machte man spezielle Stege und Gerüste aus Holz. Die sollten so breit sein, dass nicht nur ein Mensch, sondern auch ein Bauernwagen darauf fahren konnte. Die Zeugen der damaligen Ereignisse: Auf der Wanderung werden wir auf verschiedene Spuren der damaligen Händler stoßen: Einschnitte an Bäumen, alte kaputte Teile von Fahrwerken, Brandspuren …
Der See Kamennoe: Der Händlerweg führt entlang des Sees Kamennoe. An seinen Ufern ließen die Händler ihre Boote ins Wasser und fischten. An einigen Stellen führt der Weg an steinige Kaps – an solchen Kaps konnte man sich im Wasser erfrischen, ohne von nervenden Stechmücken gestört zu werden. Kampja: Das sind kleine Holzhütten, die man im Wald baute, weit von Gehöften entfernt. In solchen Hütten konnte man nicht nur schlafen, sondern auch das schlechte Wetter abwarten.
Der Wald: Der Weg führt durch einen Fichten- und Kieferwald. Unter dicken Baumkronen konnte man auch Schutz vor Regen finden. Die Gletscherspuren: Gletscherspuren aus der Eiszeit gibt es entlang des ganzen Weges. Darunter sind viele sogenannte Teufelsfelder. Ein Teufelsfeld Feld mit Findlingen, das sich nach dem Abschmelzen vom Gletscher formte. Der Händlerweg umgeht solche schwer passierbaren Stellen.
Heute übernachten wir in einem Waldhaus. Das Haus steht an einem idyllischen Ort am See. So haben wir am Abend die Möglichkeit zu einem gemütlichen Spaziergang. Es besteht auch die Möglichkeit, Kajaks auszuleihen und die Banja (russische Sauna) zu nutzen.
Tag 8
Heute haben wir eine etwas längere Tagesetappe zu bewältigen. Wir wandern weiter durch den Märchenwald (so nennt man diese Route). Unser Ziel ist eine Stromschnelle namens Tzar´ (was so viel wie König bedeutet), wo sich der Fluss Kamennaja in zwei Arme teilt. Ja, den zweiten Teil des Weges gehen wir am Fluss Kamennaja entlang, der malerisch ist; steile Ufer, 15 große und kleine Stromschnellen, die hintereinander folgen … Am Abend erreichen wie ein weiteres Waldhaus, das uns Unterkunft für die kommende Nacht bietet.
Tag 9
Nach dem Frühstück gehen wir ca. 5 km zu einem Treffpunkt mit den Fahrern. Wir verabschieden uns vom Norden Kareliens und fahren zum Dorf Gimoly, das nah am Wottowaara Berg liegt. Die Nacht verbringen wir in einem touristischen Camp.
Tag 10
Der mystische Berg Wottowaara – ob der uns heute seine Geheimnisse enthüllt? Wir werden es sehen! Auf dem Plateau, einer Fläche von etwa 6 qkm liegen riesengroße Findlinge und etwa 1600 Seidy. Ein Seid ist ein uralter, heiliger Stein der nordeuropäischen Völker. Meist waren es Samen oder Lopari, die seit dem ersten Jahrhundert in Karelien wohnten. Die Samen vergötterten Naturobjekte und schrieben ihnen übernatürliche Eigenschaften zu. Ein besonderer Kult war die Verehrung der heiligen Steine. Man sagt, dass Wottowaara ein sakraler Mittelpunkt für die Samen war. Mehrere Seidy, bizarre Bäume (ganzjährig laubfrei), steinerne Labyrinthe, Stille, keine Vögel, keine Lebewesen erzeugen eine nahezu mystische Atmosphäre. Der Berg bewahrt viele Geheimnisse und Mythen. Einige riesengroße Steine, die mehrere Tonnen wiegen, stehen auf winzig kleinen Füßchen. Wer hat diese wann und wozu aufgestellt? Auf diese und viele andere Rätsel der Region haben die Wissenschaftler bis heute keine eindeutigen Antworten. Dazu gehört auch das Rätsel der sogenannten Treppe in den Himmel an der nördlichen Seite des Berges. Das sind dreizehn in einen Felsen gehauene Stufen, die zu einem sehr steilen Riss führen. Die Nacht wie am Vortag, im Camp. Die Wanderung beträgt 9 km mit einem sehr steilen Anstieg von ca. 400 Metern.
Tag 11
Heute geht es nach Petrosawodsk, die Hauptstadt Kareliens. Unterwegs halten wir erstens am Paleovulkan Girwas (russ.: палеовулкан) an. Im Präkambrium gehörte das Territorium des heutigen Kareliens zu einer Zone mit aktivem Vulkanismus und starker Gebirgsbildung. Einige Gesteine, die heute an der Erdoberfläche vorkommen, sind 2,5 bis 3 Milliarden Jahren alt. Der letzte Ausbruch von Girwas erschütterte die Gegend vor etwa zwei Milliarden Jahren, die fließende Lava bedeckte 80 qkm. Nun kann man auf diesen erstarrten Lavafeldern spazieren gehen. Weiter geht es nach Martsialnye Wody. Genau hier entstand zurzeit von Peter dem Großen der erste Kurort Russlands. Der Ort ist für sein schwefel- und eisenreiches Wasser in ganz Russland sehr bekannt. Peter der Große wurde hier viermal behandelt. Es gibt auch ein kleines Museum und eine Kirche, die 1721 nach dem Bauplan des Zaren erbaut wurde. Ein weiteres Tagesziel ist der Fels Sampo. Nachdem wir ja schon Bekanntschaft mit dem Epos „Kalewala“ gemacht haben, werden wir uns wieder daran erinnern, dass Sampo eine Zaubermühle war, die seinem Besitzer Wohlstand und Glück verschaffte. Sie wurde gestohlen und beim Kampf darum zerbrach die Mühle in tausende kleine Stücke, die vom Meer verschluckt wurden. Aber Väinämöinen, eine der drei Hauptfiguren der Kalewala, gelingt es, einige Scherben auf dem Land zu finden. Der Legende nach, vergrub er diese genau hier am Felsen, der seitdem den Namen „Sampo“ trägt. Man sagt, der Ort hat eine besondere Energie.
Von oben kann man einen weitschweifenden Blick über den See Kontschezero mit seinen Inseln sowie die Urwälder Kareliens genießen. Am Abend kommen wir nach Petrosawodsk, wo wir zwei weitere Nächte in einem Hotel verbringen.
Tag 12
Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Schiff über den Onegasee zur „Versilberten Halskette des Nordens“, der weltbekannten Insel Kizhi, die seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Im 16. Jahrhundert war diese kleine Insel mitten im Onegasee ein Verwaltungszentrum des Kreisgebiets Zaonezhje. Heute ist es ein historisch-architektonisches und ethnisches Freilichtmuseum, ein Zentrum der alten karelischen Architektur und des traditionellen Handwerks. Während der Führung bestaunen wir einzigartige Hauptdenkmäler, die Verklärungskirche (Baujahr 1714) mit ihren 22 Kuppeln und die Kirche „Maria Schutz und Fürbitte“ (Baujahr 1764). Alle sakralen Holzgebäude wurden komplett ohne Metallnägel gebaut. Das Holz wurde ausschließlich mit der Axt bearbeitet. Wir besichtigen Häuser reicher Bauernfamilien und die alte Mühle.
Am späten Nachmittag kommen wir nach Petrosawodsk zurück. Wir haben dort Zeit bis zum Abendessen, die man für sich nutzen kann, um zum Beispiel durch die Stadt zu bummeln oder das bekannte Schungit Zentrum zu besuchen. Der bemerkenswerte Schungit-Stein, der praktisch nur aus Kohlenstoff besteht – bis zu 98% – kommt an ganz wenigen Orten auf der Welt vor. Einer davon ist Karelien. Schon Peter der Große wusste über die reinigende Wirkung des Schungits aufs Wasser. Seine Soldaten sollten stehts ein kleines Schungit-Steinchen bei sich getragen haben, um es ins Wasser legen, bevor sie dieses als Trinkwasser verwendeten. Heute nutzt man dieses natürliche Mineral, das vor über 2 Milliarden Jahren entstand, sowohl zur Mineralisierung und Reinigung von Trinkwasser als auch zum Schutz vor schädlichen Strahlungen. Dem Schungit wird schützende Wirkung zugesprochen. Verwendet man ihn für die Meditation, hilft er negative Gedanken loszuwerden und unterstützt die spirituelle Entwicklung des Menschen. Oder – wenn Sie Lust und Spaß haben – können Sie gerne mit ihren Gastgebern Mascha und Ruslan, deren Hobby Folkloretänze aus Deutschland ist, und dem Tanzensemble Volkskarussel zusammen tanzen und dabei viel lachen! Übernachtung wie am Vortag im Hotel.
Tag 13
Am Vormittag nehmen wir an einem sehr interessanten Meisterkurs teil und basteln eine karelische Puppe. Nach dem Mittagessen bleibt uns noch ein wenig Zeit bis zum Zug nach Sankt Petersburg und man kann sich ein paar karelische Mitbringsel besorgen. Um 18:00 ist die Abfahrt mit dem Zug nach Sankt Petersburg.
P.S.
Das Programm kann um einen Tag verlängert werden und es werden 14 Tage statt 13! Und zwar:
Tag 1
Ankunft mit dem Zug nach Belomorsk, wo Sie uns, ihre Reiseleiter, Mascha und Ruslan, am Bahnhof treffen. Nach dem Kennenlernen und dem Frühstück fahren wir zum Fluss Wyg und besichtigen die Petroglyphen, „Das steinerne Buch des Nordens“ oder „Steinzeitbibel“ – so nennen Experten die Gravuren, die vor sechstausend Jahren in Stein geritzt wurden. Die Rentierjagd, ein Skifahrer, ein tanzender Schamane, ein Fischerboot, Krieg gegen Eindringlinge, eine Rentierherde – lange vor dem Aufkommen des Schreibens fanden unsere Vorfahren die Möglichkeit, ihr Leben und Gefühle zu beschreiben, und zwar mit der Hilfe von Felszeichnungen. Man kann diesen Ort als ein riesiges Freilichtmuseum bezeichnen, da das weitläufige Felsplateau über 200 Quadratmeter bedeckt. Hier lassen wir uns genug Zeit und tauchen in die Geheimnisse des Lebens der Steinzeitmenschen. Mittags besuchen wir das Heimat-museum in Belomorsk und hören vom Leben der Pomoren – den Menschen, die im XII. Jahrhundert die Küste des Weißen Meeres besiedelten. Die Nacht verbringen wir in einem Hotel in Belomorsk.
Tag 2
Nach dem Frühstück fahren wir nach Kem´ und von dort aus weiter mit dem Schiff auf die Solowetski Insel, wo die nächsten 2 Tage verbracht werden.